Silvester mit Freunden? Überleg es dir gut …

von Malin Stehn

Zum Inhalt

Silvester. Du dachtest, alles wird wie immer. Alte Freunde, viel Sekt, ein bisschen Hoffnung. Doch dann folgt der absolute Albtraum: Eine der Töchter verschwindet. Die Panik steigt. Die Beziehungen eskalieren. Wer lügt hier und warum?

Dichter Nebel liegt über der Stadt: Die 17-jährige Jennifer verschwindet von einer Party. Am anderen Ende des Orts stößt ihre Mutter Lollo mit ihren alten Freundinnen Nina und Malena auf das neue Jahr an. Sie haben nicht mehr viel gemeinsam, aber die Silvesterfeier der Familien hat Tradition. Als die Eltern nach einem Abend mit zu viel Alkohol und zu wenig Ehrlichkeit aufwachen, ist der Albtraum Realität. Pure Panik folgt. Dunkle Geheimnisse kommen an die Oberfläche. Wie gut kennen wir unsere Freunde und unsere Liebsten? Und was ist wirklich in dieser Silvesternacht passiert? 

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In dieses Buch musste ich mich erst ein wenig hineinfinden. Es ist jeweils in der Ich – Perspektive der einzelnen Protagonisten geschrieben und es hat ein paar Seiten gedauert, bis ich die einzelnen Personen zuordnen konnte. Der Inhalt ist schnell erzählt: Drei Paare feiern gemeinsam Silvester, als ein Mädchen verschwindet.
Die Suche nach dem Täter bringt jedoch erstaunliche Abgründe zum Vorschein, die die Autorin unglaublich geschickt in die jeweiligen Kapitel eingearbeitet hat. So erfährt man aus der Sicht des jeweiligen Sprechers immer mehr über andere Mitprotagonisten und was der Sprecher gerade über sie denkt. Ich finde das gesamte Buch psychologisch sehr geschickt aufgebaut und der Spannungsbogen ist konstant hoch, allerdings ist es ein rein psychologischer Spannungsbogen, aus ermittlungstechnischer Sicht erfährt man nur das, was die Protagonisten auch erfahren. Klasse finde ich die Diskrepanz zwischen dem, was die Protagonisten wirklich denken, und ihrem Handeln bzw. dem, was sie nicht sagen. Nur dadurch entsteht hier die Spannung. Alles ist nachvollziehbar, da die alltäglichen Probleme der Kindererziehung sehr gut beschrieben sind, und eben dies, finde ich, trägt auch zum Spannungsbogen bei. Diese unmittelbare Erlebbarkeit. Im Gegensatz zur Denkweise eines Serienmörders zum Beispiel kann sich jeder Leser in die Köpfe dieser Protagonisten gut einfühlen und die Schockmomente entstehen dadurch, dass ungesagte Wahrheiten so schreckliche Konsequenzen nach sich ziehen . Auch spielt die Autorin sehr geschickt mit dem Thema Sympathie. Alle Protagonisten sind zwar erlebbar, aber weder auf der Sympathieskala weit vorne, noch als unsympathisch zu bewerten. Und dies macht natürlich insgesamt die Freundschaften unter den drei Paaren sehr facettenreich.

Fazit: Ein kluger Psychothriller, der geschickt mit alltäglichen Verfehlungen spielt.